Klippeneckwettbewerb 2025

Die Zeiten, an denen die Segelfluggruppe Cumulus mit einem Grossaufgebot am Klippeneck auffuhr und Podestplätze hamsterte, liegen jetzt schon eine Weile zurück. Und doch lockt dieser traditionsreiche Wettbewerb in diesem Jahr wieder eine kleine Delegation von Cumulüsslern auf den Gipfel der Schwäbischen Alb. So hat sich Pascal in der sehr beliebten 18m Klasse angemeldet mit der ASG 29E, ich und Michael mit dem Nimbus 4DM in der offenen Klasse.

Freitag

Das Wetter für die ersten Tage war nicht gerade sommerlich prognostiziert und so reisten wir ohne Stress am Nationalfeiertag gegen Mittag an, um anschliessend das unser Camp zu installieren. Gut ausgerüstet, mit Pavillon, Festbankgarnitur und Schweizer Fahne suchten wir uns einen noch freien Stellplatz, bei welchem sich auch unsere Winterthurer und Oltener Kollegen noch einnisten konnten. Nach dem Einrichten des Camps gings weiter mit Registrierung und um 20 Uhr war dann das obligatorische Eröffnungsbriefing. Dabei füllte sich der Hangar ein erstes Mal und es wurde ersichtlich, dass dieser Wettbewerb doch eine gewisse Popularität geniesst unter den Wettbewerbspiloten. 74 Teilnehmer aus 5 Nationen, verteilt auf 5 Wertungsklassen. Eine stattliche Anzahl die sich sehen lässt.

Das Schweizer Camp

Samstag

Am Samstag, 2. August war nicht ans Fliegen zu denken. Die Wolken lagen auf dem Flugplatz auf, sodass nicht mal mehr das Anhängerfeld in seiner ganzen Pracht zu erkennen war. Entsprechend wurden alle Klassen neutralisiert und der Tag mit Alternativprogramm gefüllt.

Im Nebel sind kaum noch die Anhänger zu erkennen

Sonntag

Sonntagmorgens wurde leiser Optimismus versprüht und so liessen Michi und ich es uns nicht nehmen, den Nimbus zumindest mal zu montieren. Ist ja nicht so, dass wir keine Übung damit hätten, aber diese Offenen Klasse Flugzeuge machen doch etwas mehr Arbeit als eine LS4 und das Letzte, das ich wollte, war ein Stress schon vor dem Start. Das Tagesbriefing wurde auf 1130 Uhr angesetzt ohne vorgängiges aufstellen der Flugzeuge. Und wie erahnt, wurden für alle Klassen kleine Aufgaben vorgestellt. Somit entging den Meisten die musikalische Unterhaltung der Stadtkapelle Spaichingen, da jetzt sofort alle Flugzeuge aufgestellt werden mussten. Unser Morgensport wurde also belohnt und wir konnten in Ruhe unseren Flieger ins Grid stellen und anschliessend Mittagessen, während sich ein Grossteil der Piloten noch mit Montageübungen abmühte. Als dann alle Flugzeuge fein säuberlich angeordnet im Grid standen, erklärte sich dann aber doch das Wetter als unkooperativ und übergoss alle mit einem Schauer. Da keine schnelle Besserung in Sicht war, blieb der Wettbewerbsleitung nichts anderes übrig, als den Tag doch noch zu neutralisieren. Somit viel Arbeit und wenig Ertrag. Aber immerhin konnten alle mal das Prozedere fürs Gridding üben. Danach alle Flugzeuge wieder zurück zu den Anhängern, demontieren, respektive eintuchen und verzurren und so war der Sonntagnachmittag dann auch schon durch. Als Nachtessen hatten wir Raclette mitgebracht, ganz zur Freude unserer deutschen Kollegen. So gab es einen tollen Tagesabschluss mit Raclette, guter Stimmung und bester Kameradschaft.

Sichtlich gute Stimmung beim Racletteplausch

Montag

Auch die neue Woche wollte anfangs noch nicht so richtig gutes Wetter bringen und wir mussten am Montag anstelle von Segelfliegen, die Tuttlinger Wasserwelt besuchen. Auch nicht schlecht, aber eigentlich wären wir ja schon zum Fliegen hier.

Tolles Flugwetter sieht anders aus

Dienstag

Eine Kaltfront wurde uns vom Meteorologen am Briefing angekündigt. Diese solle im Verlauf des Nachmittags über das Wettbewerbsgebiet hinwegziehen und so das Fliegen verunmöglichen. Schade! Also nochmals Alternativprogramm. Diesmal gings nach Rottweil. Zuerst besuchten wir den ThyssenKrupp Test Turm. Ein 246 m hoher Turm zum Entwickeln und Testen neuer Liftsysteme. Zudem bietet sich eine tolle Aussicht über die ganze Umgebung. Wir standen also da auf der Besucherplattform und starrten die schönen Cumulus-Wolken an, die sich zwischenzeitlich gebildet hatten. Der erste Gedanke: Von wegen nicht fliegbar. Anschliessend schlenderten wir noch durch die Altstadt von Rottweil und genossen ein Dessert in einer Gelateria. Während wir da so sassen, kam sie dann doch noch, die angesagte Kaltfront. Fluchtartig retteten wir uns ins Auto und bei strömendem Regen gings zurück aufs Klippeneck. Fazit, alles richtig gemacht von der Wettbewerbsleitung, dieses Wetterfenster war definitiv zu kurz für eine Wertung und dieser rasche Wetterumschwung hätte wohl den einen oder anderen Flug auf dem Acker enden lassen.

Der TK Test Turm in Rottweil

Mittwoch

0830 Uhr wurde pünktlich via Whatsapp kommuniziert: Startaufbau vor dem Briefing, Startreihenfolge 15m, Club, 18m, Dosi, Offene, Briefing 10 Uhr. Jetzt schien es ernst zu werden. Nach viereinhalb Tagen ausharren meinte es das Wetter endlich gut mit uns. Also wieder Flieger an den Start, alles einrichten, und dann ab ans Briefing. Henry, der Meteorologe war sich sicher, heute wird geflogen. Doch was seine Prognose sagte war, 8/8 Cirren, schwache Blauthermik bei knapp 1800 m Basishöhe. Klingt nach «Spass», dachten sich Hannes (zwei Tage lang mein Copilot anstelle Michi) & Ich, und auch Pascal war noch etwas skeptisch, hatte er doch ordentlich Wasser in die ASG 29 eingefüllt. Die Aufgaben führten alle Klassen auf die Schwäbische Alb, einige eher der Nordkante entlang, andere eher entlang des Donautals. Pünktlich um 12 Uhr ging der erste Schlepp raus und dann gings Schlag auf Schlag. Die 10 (!) Schleppmaschinen sorgten dafür, dass innert einer Stunde sämtliche 74 Flugzeuge in der Luft waren. Und dann ging der Wettbewerb so richtig los. Unter mühsamen Bedingungen mit tiefer Basis und mässigen Steigwerten ging es langsam die Alb hoch Richtung Gerstetten. Mit einem eher bescheidenen Schnitt von 78 km/h kämpften wir uns richtiggehend zurück ins Klippeneck. Eine ziemlich zähe Tiefflugübung mit dem grossen Flieger. Für Pascal und die 18m Klasse gings dem Donautal entlang nach Ermingen. Diese Route war wettertechnisch noch etwas anspruchsvoller und so mühten sich die 18m Flieger ab, irgendwie doch noch die Aufgabe zu erfüllen. Von den 18 Flugzeugen erfüllte gerade einmal 1/3 die Aufgabe. Leider musste auch Pascal kurz vor dem Klippeneck den Motor starten. Ihm entgingen dadurch ein paar Wertungspunkte, doch blieb ihm dank der Benzinthermik die mühsame Rückholaktion erspart. Daraus resultierte ein 2. Tagesrang für Hannes und mich und ein 8. Platz für Pascal.

Wetterfrosch George II endlich mit Sonnenbrille

Donnerstag

Das Wetter besserte sich nun merklich und so wurde das Grid-Prozedere vor dem Briefing zum Standard. Der Wetterfrosch trug heute die Sonnenbrille und sowohl für die 18m wie auch für die offene Klasse wurden Aufgaben von rund 290km ausgeschrieben. Für die erste Wende ging es für alle Klassen in den Schwarzwald und danach zurück auf die Alb. Doch diese erste Wende entpuppte sich als echte Knacknuss. Kaum abgeflogen entdeckten wir bereits die ersten 15m und Clubklasse Flieger auf den Feldern südlich von Donaueschingen. Also Gas raus und konservativ mit der Höhe umgehen. Doch der Boden kam unweigerlich näher und so fanden wir uns schlussendlich an der Wende neben dem Flugplatz Reiselfingen auf 220m Grund wieder. Glücklicherweise konnten wir uns mit viel Geduld mit schwacher Thermik wieder in die Höhe schrauben. Also nichts wie weg hier und ab auf die Alb. Im Donautal lief es dann wie geschmiert und so konnten wir unseren Schnitt kontinuierlich verbessern. Pascal lief es heute auch ganz ordentlich und so resultierten, trotz unseres zeitraubenden Tiefflugs, erneut ein 2. Tagesrang für das Team 4R und Pascal durfte den 3. Tagesrang für sich beanspruchen.

Eine Ziemliche Materialschlacht mit 74 Flugzeugen

Freitag

Eine erneute Wetterbesserung sorgte dafür, dass der dritte Wertungstag in Folge geflogen werden konnte. Die Aufgaben waren mehr oder weniger identisch zum Vortag, mit dem Unterschied, dass sie in umgekehrter Abfolge geflogen wurden. Sprich zuerst die Alb hoch, dann in den Schwarzwald und zurück. Dies entpuppte sich als deutlich einfacher als der Vortag und mit vereinzelten Cumuli waren die Aufwinde auch einfacher auffindbar. Michi und ich trafen vom Abflug an eine hervorragende Linie und so kam es, dass wir auf dem gesamten ersten Schenkel nur einmal kreisen mussten. Auch anschliessend gegen den Wind funktionierte unsere Flugtaktik sehr gut und resultierte in einem Schnitt von 120 km/h, was für den ersten Tagessieg reichte. Pascal pokerte heute auf eine Wetterbesserung im Verlaufe des Nachmittags und flog nicht mit dem Pulk mit. Leider wurde sein Alleingang nicht belohnt und so wurde es nach dem hervorragenden Podestplatz am Vortag diesmal nur Rang 10.

Samstag

Der letzte Tag versprach nochmals tolle Wertungsflüge. Basishöhen von bis zu 3000 m bei 4/8 Cumuli. Das klingt schon beinahe surreal, nachdem vor einer Woche noch fast Winter herrschte auf dem Klippeneck. Startbereitschaft 1230 Uhr, Aufgaben von um die 330km, alles war angerichtet für das grosse Finale. Doch das Wetter liess sich Zeit und bei brütender Hitze harrten wir unter den schattenspendenden Flügeln aus. Der Meteopilot suchte vergebens nach Thermik. So wurde die Startbereitschaft verschoben, und verschoben, und verschoben. Einige Piloten hatten schon Angst, dass wir gar nicht mehr in die Luft kommen. Die Aufgaben wurden in der Zwischenzeit um rund 50 km gekürzt und dann, um 14 Uhr gings doch noch los mit der Startprozedur aber so richtig. Vor der Startlinie bildete sich ein Pulk von ca. 40 Flugzeugen, gemischt über alle 5 Klassen. Die prognostizierten Wolken tauchten auch auf, perfekt entlang der ausgeschriebenen Strecken. Ein Wahnsinnsflug mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von satten 127 km/h bildete den krönenden Abschluss des diesjährigen Klippeneckwettbewerbs. Auch Pascal durfte sich nochmals einen Tagespodestplatz sichern zum Abschluss mit einem starken 122er Schnitt. So macht Wettbewerb fliegen richtig Spass! Zum Abschluss überzeugte das Küchenteam der Festwirtschaft noch mit einem top Nachtessen bevor der Wettbewerb mit der offiziellen Siegerehrung abgeschlossen wurde und damit eine coole Wettbewerbswoche ihr Ende fand.

Das Podest der Offenen Klasse nach den vier Wertungstagen

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