Flugberichte

Einmal ein Mal um die Schweiz – einmalig!

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Angesteckt mit dieser Idee hat mich David Leemann aus Bex: In einem Flug alle Nachbarländer der Schweiz zu touchieren, idealerweise nur aus der Luft 😊. Lichtenstein, Österreich, Italien, Frankreich und Deutschland ganz ohne Antrieb – ob das möglich ist?

Eine verrückte Idee?

Eigentlich wollte ich dies schon 2019 versuchen, aber nicht mal bei einem Versuch blieb es, nur bei der Idee. Dieses Jahr, nach einigen Weiterlesen…

Flugberichte

Wandersegelflug 2015

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Wer kennt es nicht? Während man in der Winterpause die schönsten Flüge der letzten Saison in Gedanken nochmals Revue passieren lässt, hegt man schon Pläne für die nächste Saison. Was kann ich alles erreichen? Welche Gebiete will ich noch erkunden?

Schon in den Anfängen unserer Segelfliegerei kamen wir nach den ersten Streckenflügen ins Schwärmen. Wir stellten uns vor, wie prima es doch wäre, am Abend auf einem fremden Segelflugplatz zu landen, dort zu übernachten und erst am nächsten Tag wieder zurück zu fliegen. Oder noch besser, sogar eine Reise über mehrere Plätze meistern! Sobald man dann das ganze Vorhaben in Gedanken etwas genauer zu planen beginnt, stösst man schon bald auf die ersten Risikofaktoren und Hindernisse. Was, wenn an den Folgetagen das Wetter schlecht wird? Was, wenn wir irgendwo in der Pampa aussenlanden müssen? Aus diversen Berichten über Wandersegelflug lernt man dann schnell, was es da alles so zu planen gibt…

Im Frühling 2015 wollten Dominic Schütz und ich so ein Abenteuer mal versuchen und haben die erste Juniwoche relativ kurzfristig als unsere Wandersegelflugwoche vorreserviert.

CS mit perfektem Gepäckfach

Nun liest man ja in den veröffentlichten Wandersegelflugberichten, dass meist in grösseren Gruppen Wandersegelflug durchgeführt wird. Ein Team fliegt, das andere fährt mit dem Hänger. Wir mussten diesen Plan, den wir für unseren ersten Wandersegelflug auch als die komfortabelste Variante erachtet hätten, schon bald verwerfen. Denn – als sich dann in der Prognose eine fliegbare Wetterperiode abzeichnete, konnten wir trotz den guten Argumenten keinen unserer Kollegen für unser Vorhaben gewinnen. Begeistert vom Plan waren alle. Nur kurzfristig eine Woche Ferien beziehen konnte natürlich niemand. Aber das sollte uns nicht hindern, ein wenig in der Gegend herumzufliegen. Ab dem Dienstag zeichnete sich gut fliegbares Wetter für unsere geplante Wandersegelflugwoche ab und trotz einer prognostizierten, zunehmenden Labilisierung wurde das Gewitterrisiko für mehrere Tage als sehr gering vorhergesagt. Wir trafen uns somit am Wochenende davor, um das ganze Vorhaben im Detail zu planen und so viel wie möglich vorzubereiten. Kartenmaterial wurde besorgt und wenig Kleidung sowie eine Zahnbürste wurden möglichst klein verpackt. Wir entschieden uns, unsere Reise mit der ASH 25 CS zu bestreiten, da sich ja der leere Motorenschacht perfekt als Gepäckfach eignet. So konnten wir uns relativ komfortabel ausrüsten und hatten trotzdem genügend Platz im Cockpit.

Deutschland, die Segelflugnation, ist bekannt für zahlreiche und gut gesäte Segelflugplätze. Zu Beginn planten wir unsere Reise Richtung Nordosten, da für die deutsche Alp gute Thermik vorhergesagt worden war und wir das Gebiet bis ca. Ingolstadt relativ gut kannten.

Vor dem Start in Amlikon

Zudem wollten wir die Grenze zu Tschechien erreichen, um ev. in der ersten Etappe sogar bis nach Pilsen zu fliegen. Wir suchten uns einen geeigneten Segelflugplatz heraus, der über einen Hartbelag oder mindestens eine Pistenlänge von 800m verfügte und fanden bald darauf unser erstes provisorisches Ziel: Cham-Janahof. Gemäss den im Internet veröffentlichten Betriebszeiten war der Platz offen. Wir fühlten uns somit gut vorbereitet und es konnte losgehen! Am Dienstag gegen 13 Uhr schleppte uns Ueli Preisig bis zum Schienerberg und setzte uns im ersten guten Thermikschlauch ab. Nach dem Klinken war es also endlich soweit. Wir waren auf Wandersegelflug! Wir kamen mit Rückenwind relativ schnell voran und sahen nach ca. 3 Stunden schon die Tschechische Grenze vor uns. Die Thermik war noch gut und wir hatten genügend Höhe um den geplanten Etappen-Zielflugplatz von weit oben zu rekognoszieren. Doch irgendwie waren da zu wenig Flugzeuge zu sehen und auch wiederholte Funkaufrufe blieben unbeantwortet. Irgendwann mussten wir dann ernüchtert feststellen, dass der Platz nicht in Betrieb war und die Internetinformationen höchst wahrscheinlich veraltet waren.

Abendstimmung in Beilngries

Da es schon bald 17.00 Uhr war, entschieden wir uns, der guten Thermik entlang etwas zurück nach Westen zu fliegen. Auf dem Weg hatten wir mehrere geeignete Flugplätze mit Flugzeugen in der Nähe gesehen und wir schätzten da die Chance auf Flugbetrieb am grössten ein. Nach ca. 1 Stunde Rückflug wurde die Thermik langsam schwächer und wir befanden uns bald nicht mehr in so komfortabler Höhe. Der einzig noch erreichbare Flugplatz war Amberg, der Heimatflugplatz von Jochen Reuter. Während wir uns dem Flugplatz näherten, versuchte Dominik per Funk herauszufinden, ob wir, falls wir wirklich mangels Thermik zur Landung gezwungen würden, am nächsten Tag auch wieder starten könnten. Der Herr am anderen Ende der Funkverbindung riet uns jedoch von einer Landung ab, da seines Erachtens auf dem sehr kurzen Platz keine Möglichkeit bestände, mit unserem schweren Kahn wieder in die Luft zu kommen. Diese Tatsache als Ansporn reichte zum Glück aus und mit etwas schwachem Steigen konnten wir wieder etwas Höhe gewinnen. Somit erreichten wir dann knapp den bereits im Flug Richtung Osten gesichteten Flugplatz Beilngries.

 

Auf jedem Flugplatz gibt es einen Sepp

Nach der Landung um 18:30 wurden wir sehr herzlich empfangen. Es war gerade Pfingstlager und zwei Segelfluggruppen machten Schulungslager auf dem Platz. Nachdem die ASH mit dem mitgebrachten Material an einer geeigneten Stelle verpflockt war, tranken wir noch ein Bier im Zeltlager der Pfingstflieger, um einiges über die Gegend zu erfahren und um den Weiterflug zu planen. Da uns mehrere Piloten aus der Gegend von einem Weiterflug in tschechisches Gebiet abrieten und das Wetter Richtung Osten nur noch für einen Tag als gut vorhergesagt wurde, entschieden wir uns am nächsten Tag für einen Abstecher in den bayerischen Wald, um dann nach Norden weiterzufliegen. Vor Einbruch der Dunkelheit liehen uns die netten Jungs vom Flugplatz 2 Velos aus und wir fuhren ins nächste Dorf, um im vorher telefonisch reservierten Gasthof zu übernachten.

Am zweiten Tag unserer Reise lief alles wie am Schnürchen. Nach dem Briefing machten wir uns schon bald startklar, verabschiedeten uns und bedankten uns nochmals für die wertvollen Tipps. Der Einstieg nach dem Klinken in den bayerischen Wald gestaltete sich problemlos und das Gebiet zeigte sich von seiner besten Seite. Hohe Basis, Thermik mit Steigwerten bis gut 3m/s und eine gute Weitsicht. Nachdem wir zuerst bis kurz vor das südliche Ende beim Dreiländereck (Deutschland, Tschechien und Österreich) geflogen waren, wendeten wir und flogen über den gesamten bayerischen Wald nach Norden. Dieses Mal hatten wir bereits vor dem Start unser Zielflugplatz telefonisch kontaktiert, um sicher zu gehen, am nächsten Tag auch wieder starten zu können. Somit konnten wir ohne lange Suchaktion auf dem relativ grossen Flugplatz Bayreuth landen.

Der bayerische Wald, ein herrliches Segelfluggebiet

Nach der Landung fing der Spass aber erst an. Wo sind all die freundlichen Segelflieger? Als uns längere Zeit keiner helfen wollte, schoben wir das Flugzeug zu zweit am Ort der Landung quer aus der Piste heraus und verzurrten es da. Da der Flugplatz nicht nur relativ lang, sondern auch sehr breit war, dauerte der Fussmarsch bis zu den Flugplatzgebäuden einige Zeit. Da angekommen, interessierte sich niemand für uns und wir mussten auch keine Landegebühr bezahlen. Nachdem wir im Flugplatzrestaurant etwas gegessen hatten, nahm uns ein anderer Gast netterweise mit in die nächste Stadt und wir konnten im Gasthof eines Bekannten des Wirtes übernachten. Am nächsten Tag verkündete der Schlepppilot am Briefing, passend zum übrigen Flugplatzbetrieb, dass die Schleppmaschine kaputt sei, er aber keine Zeit habe, sie zu reparieren, da dies mindestens zwei Stunden dauern würde und er lieber selber Segelfliegen gehen wolle. Man müsse halt an der Winde starten. Nachdem wir einen Zusammenschiss kassierten, weil wir  das ausgeliehene Flugplatzauto nicht sofort zurückgebracht hatten, als wir unser Flugzeug zum Start gezogen hatten, konnten wir zum Glück Bekanntschaft mit einer externen Fluggruppe mit eigenem Schleppflugzeug machen.

CS alleine in Bayreuth

Diese waren auch im Pfingstlager und organisierten ihren eigenen Betrieb. Wir halfen gerne bei den Startvorkehrungen mit und konnten uns nach einiger Wartezeit hinter die Super-Dimona der Gastgruppe hängen. Da Bayreuth über eine Lange Hartbelagpiste verfügte, war der Schlepp mit dem Zuckerwassermotor-Schlepper auch kein Problem. Von Bayreuth Richtung Norden erkundeten wir zuerst den Thüringer Wald, um dann im Verlauf des Nachmittages über das Röngebiet wieder etwas in den Süden zu gelangen. Kurz vor 16 Uhr hatten wir den nördlichen Ausläufer des Odenwaldes erreicht. Das Wetter war noch gut fliegbar, trotzdem entschieden wir uns, bereits jetzt lokal einen geeigneten Flugplatz für die Übernachtung zu suchen. Der nächste Tag war thermisch noch gut vorhergesagt, gegen Abend sollte aber die Gewittergefahr von Western her  steigen. Somit wollten wir den Folgetag noch voll ausnutzen, um die Heimreise über den Odenwald und Schwarzwald möglichst geniessen zu können. Nach einem kurzen Holding westlich von Würzburg über der Main konnten wir einen Flugplatz mit Flugbetrieb anfunken. Der Funker am Boden versicherte uns, am nächsten Tag wieder starten zu können und so setzten wir gegen 17 Uhr zur Landung auf dem Flugplatz Karlstadt-Saupurzel an.

CS bereit zum Schlepp in Kaiserstadt-Saupurzel

Der Saupurzel ist der Hausberg des Flugplatzes wo früher die Gummihunde die Zöglinge in die Luft katapultierten. Nach der Landung war das Flugzeug mit Hilfe der Flugplatzmannschaft schnell geputzt und verzurrt. Ulf, der uns am Folgetag auch wieder in die Luft gebracht hatte, nahm uns nach Ende des Flugbetriebes mit nach Karlstadt, wo wir nach abklappern mehrerer Wirthäuser zufällig eine Bleibe in einer kleinen Dachwohnung fanden.

Der letzte Flugtag brach an. Nachdem wir beim Bäcker Proviant besorgt hatten, inspizierten wir vom Flugplatz, der auf einer Anhöhe lag, die darunter liegenden Felder im Falle eines Seilrisses. Da die Piste etwas abfallend war, gestaltete sich der Schleppstart mit der Dynamic WT 9 komplikationslos und Ulf zog uns auf eine optimale Ausgangshöhe. Die Leute vom Flugplatz am Saupurzel hatten sich sehr über unseren Abstecher bei ihnen gefreut und sogar einen kleinen Bericht über unseren Besuch auf ihrer Internetseite veröffentlicht (Link zum Bericht). Nachdem die kurzfristigen Prognosen im Odenwald und Schwarzwald frühe Abdeckungen prognostizierten und auch aus der Luft das Wetter im Osten deutlich besser aussah, entschieden wir uns, die Heimreise östliche um die TMA Stuttgart und dann über die Alp anzufliegen.

Bis kurz vor Ulm lief es den Prognosen entsprechend sehr gut. Doch wie es beim Segelfliegen so ist, kann bei längerem Ausbleiben nützlicher Thermik die Höhe ungemütlich schnell schwinden. Bald war nur noch der Flugplatz Erbach neben der Stadt Ulm erreichbar. Dort herrschte gerade mehr als nur reger Flugbetrieb, da auf dem Flugplatz gerade die deutschen Segelflugmeisterschaften ausgetragen wurden. Wir flogen den Platz direkt von Norden her an, um gegebenenfalls über der Stadt Ulm noch etwas Thermik zu finden. Die Schweissperlen bildeten sich bereits auf der Stirn, als wir im long-final auf Erbach westlich der Stadt in einen mässig guten Termikschlauch trampten. Glück muss man manchmal haben! Nach diesem Tiefflug verlief der Rest der Heimreise bestens und wir erreichten gegen 17 Uhr Klippeneck.

Endanflug auf Amlikon. Im Westen bilden sich bereits Gewitterwolken

Nachdem wir kurz überlegten, noch eine Nacht auf dem grössten Segelfluggelände Deutschlands zu verbringen, war uns die Gewittergefahr dann aber doch zu hoch und wir drehten nach vier grandiosen und abenteuerlichen Flugtagen sowie einer Gesamtflugstrecke von 1460 Km um 17:30 in den Endanflug auf Amlikon ein.

Unsere Reiseroute in 4 Etappen

Das Abenteuer war geschafft! Das Glücksgefühl nach der Landung war riesig und die Erlebnisse werden uns noch sehr, sehr lange ins Schwärmen bringen.

 

Hannes Grünig