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Segelflugferien in Sisteron

Mit Rolf König durfte ich während einer Woche die französischen Südalpen befliegen und kennenlernen. Eine spannende Erfahrung mit vielen unvergesslichen Momenten in einem der wohl besten Segelfluggebiete Europas.

Mit der Idee, die Hauptsaison im Süden Frankreichs ausklingen zu lassen, kam Rolf Mitte Juni auf mich zu. Trotz sofortiger Begeisterung meinerseits blieb etwas Besorgnis hinsichtlich der Covid-Lage und den damit verbundenen Unsicherheiten bezüglich Auslandreisen. So entschieden wir uns, die zweitletzte Augustwoche provisorisch zu reservieren und mit dem definitiven Entscheid zuzuwarten.

So warteten wir zu bis eine Woche vor dem geplanten Reiseantritt und entschieden uns dann, dass wir es wagen würden. Rolf klärte alles mit dem Segelflugverein in Sisteron ab und wir organisierten uns eine einfache Unterkunft auf Airbnb. Auch der Gruppenflieger wurde uns zu Verfügung gestellt und so stand dem Abenteuer nichts mehr im Wege.

1C startbereit RWY 35 Sisteron-Thèze

Anfahrt

Am Samstagmorgen ging es in aller Frühe los auf die rund achteinhalbstündige Autofahrt in Richtung Südfrankreich. Der Verkehr war uns gnädig und so erreichten wir den Flugplatz Sisteron am späteren Nachmittag und konnten in aller Ruhe die Anmeldeformalitäten erledigen.

Das Flugplatzpersonal empfing uns freundlich und ich merkte sofort, dass auch in der Ferne die Kameradschaft unter Segelfliegern grossartig ist. Wir verabschiedeten uns vom Flugplatz, nachdem der Hänger platziert war und bezogen unsere Unterkunft im ruhigen Melve. Die freundlichen Gastgeber hiessen uns willkommen und nach dem Nachtessen war ich froh, mich etwas ausruhen zu können vor den anstehenden Flugtagen (da war mir natürlich noch nicht bewusst, wie anstrengend diese werden würden).

Tag 1: ein «kurzer» Einführungsflug

Vercours schön gezeichnet Richtung Norden

Der Sonntag erwartete uns mit eher bescheidenen Wetterprognosen, welche sich jedoch glücklicherweise als sehr pessimistisch herausstellten. Ein Muster, welches sich mehr oder weniger durch die gesamte Woche zog. Wir montierten den Arcus und ich stellte mich auf einen eher kurzen Einführungsflug mit Rolf ein. Wir starteten nach dem Mittag und ich durfte mir erstmals von der komplett anderen Umgebung ein Bild machen. Die Optik der Alpen lernte ich im Juni im BFK Gebirgsflug in Samedan kennen, doch Frankreich wartete mit einem ganz anderen Fluggebiet auf mich. Die Distanzen waren viel weitläufiger und so war ich definitiv froh, dass wir mit dem Arcus ein absolutes Spitzenflugzeug dabeihatten.

Rolf führte mich in die Geographie und die Besonderheiten in Südfrankreich ein, während ich mich gleichzeitig an das Handwerk des Klappenfliegens herantastete. Gute fünf Stunden später war der «kurze» Einführungsflug zu Ende und somit auch der erste Flugtag.

Das Fluggebiet erkunden

In den folgenden Tagen war der Ablauf stets ähnlich. Aufstehen kurz vor acht, Morgenessen, Briefing auf dem Flugplatz, Flugzeug vorbereiten, warten, bis das Wetter sich entwickelt hat und dann ging es in die Luft. Die Prognosen waren selten überragend, aber die Segelflugsaison ist ja schliesslich schon weit fortgeschritten.
Trotzdem liess uns der Süden nie im Stich und ich konnte in den folgenden Tagen vom Mont Ventoux bis an den Monte Viso und in Nord-Süd Richtung vom Lac de Sainte-Croix bis Courchevel das Fluggebiet Schritt für Schritt kennenlernen.

Lac de Sainte-Croix

Wellenfliegen mit Halo

Mit wunderbaren Landschaften, Wettererscheinungen und natürlich ausgezeichneten Segelflugbedingungen hielten die Süd- oder auch Seealpen immer wieder atemberaubende Momente für mich bereit. Doch nicht nur ich als Neuling war fasziniert, so gelang es uns in einer Mini-Welle so vor einer Wolke aufzusteigen, dass der Schatten unseres Arcus genau im Zentrum des Halos war, welches sich auf der Wolke spiegelte.

Wellenflug über Briançon
Halo mit Arcusschatten

Ein traumhafter Anblick, auch für einen alten Hasen wie Rolf, welcher doch schon einige schöne Bilder in seiner fliegerischen Karriere mitnehmen durfte.

Volksrenner Arcus

Ich meinerseits verfeinerte Tag für Tag mein Fluggefühl für den Volksrenner Arcus, wie er von Rolf gerne genannt wird. Dieser Flieger macht wirklich richtig Spass zum Fliegen. Des Weiteren entwickelte ich langsam ein Gefühl für die Hotspots, an welchen die Genusspiloten wie wir auf die Streckenflugcracks aus dem Süden trafen. Eine regelrechte Rennstrecke die von Puimoisson nach Norden an den Mont Blanc und weiter den Alpenbogen entlang führt. Und auch da konnte der Arcus seine Stärken ausspielen und bis zu einer gewissen Geschwindigkeit auch durchaus mit einer JS1 mithalten.

Monte Viso mit tiefen Wolken über der Po-Ebene

Heimreise

So vergingen die Tage und ich wurde mit den vielen Eindrücken regelrecht überschwemmt. Nach sieben aufeinanderfolgenden Flugtagen war es Zeit, vom Süden Frankreichs Abschied zu nehmen. Es war an der Zeit, den Flieger nach 44 Stunden in der Luft wieder zu demontieren und die lange Heimreise anzutreten (wobei lang immer relativ ist, wenn man bedenkt, dass in Sisteron auch Schotten fliegen, welche den eigenen Flieger mitgebracht haben).

Mit dem Arcus am Haken und vielen tollen und sehr lehrreichen Erlebnissen im Gepäck trafen wir am Sonntagabend wieder in Amlikon ein. Mit dem Verräumen des Flugzeugs neigten sich die Segelflugferien und auch die Hauptsaison der Streckenflüge dem Ende zu. Doch eines ist sicher, Südfrankreich hat es mir angetan und ich werde, wenn sich die Möglichkeit bietet, sicher wieder einen Abstecher in die staubig-sandigen Südalpen machen.

Danke

Südfrankreich; Für Könner, Kenner und Liebhaber wie Rolf stets zu sagen pflegte, hat mit mir sicher einen Liebhaber gewonnen. An dieser Stelle auch nochmals ein grosses Dankeschön an Rolf, welcher diese unvergesslichen Ferien erst ermöglichte.

Sichtlich zufrieden, und um viele Eindrücke reicher

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