Der Cumulus-Cup vom Samstag, 16.5.2009

Schlechte Wettervorhersagen für den Samstag. Trotzdem hatte ich mich fürs Fliegen angemeldet. Am Briefing schliesslich wurde uns glaubhaft mitgeteilt, dass es am Mittag womöglich regnen würde. Aber es sollte ganz anders kommen. Pascal Heer und ich hatten im Vorfeld vereinbart, dass wir mit einem 21gi am Cumulus-Cup teilnehmen würden. Vor dem Mittagessen lösten sich zu unserer Überraschung die dicken Stratuswolken auf, und die ersten Cumuli entwickelten sich. Flugplanungen und –besprechungen folgten. Roger Schoch und Marcel Lenggenhager hatten das Gleiche vor. Also entschlossen wir uns, einen Verbandsflug durchzuführen mit dem Ziel Deutschland.

Während der Mittagspause verbesserte sich das Wetter zusehens. Cumulus-Wolken überall.

Die eigentliche Aufgabe des Wettbewerbs war einfach: Ein Dreiecksflug mit selbst gesetzten Wendepunkten. Flugdokumentation mit einer Kamera. Mindestflugzeit 90 Minuten. Rangliste aufgrund der Durchschnitts-geschwindigkeit.

Nach dem Essen gingen die Ersten in die Luft und verschwanden auch gleich aus dem Blickfeld. Nichts wie los! Ich wollte unbedingt als Erster von unseren beiden Teams starten - was sich später als Fehler herausstellte...

Im Abkreisraum malten uns andere Piloten auch schon einen schönen Schlauch an. Anschnallen, verriegeln - „ready for take-off“. Sogleich gesellte sich Roger mit Marcel zu uns. Gemeinsam gewannen wir an Höhe. Auf 1500 m gleiteten wir zusammen in Richtung Seerücken ab. Dabei zeigte mir Pascal den „Delfinflug“. Praktisch ...

Über dem Seerücken machten wir wieder Höhe und flogen nach Singen. Alle möglichen Schläuche ausnutzend, ging es weiter nach Stahringen, dann Richtung Neuhausen ob Eck. Der erste Wendepunkt.

Pascal schlug vor, noch weiter östlich zu fliegen. Ich hatte mächtig Probleme, mich zu orientieren. Einerseits, weil der Kompass nicht funktionierte und anderseits, weil mir das Gelände völlig fremd war. Laufend demonstrierte mir Pascal Raffinessen des gekonnten Thermikflugs, die ich dann auch gleich zu adaptieren versuchte.

Ich kreiste die ASK an die Basis von 1800 m. Roger tat es uns gleich. Umgehend stachen wir wieder an, Leibertingen im Visier. Anschliessend nach Sigmaringen. Unser zweiter Wendepunkt. Über einer Kiesgrube wieder einen Schlauch, der uns aber leider nicht bis unter die Basis beförderte. Wir stellten fest, dass mit unserer Höhe nur noch Neuhausen ob Eck erreicht werden könnte. Nun denn.

Ich: „Stimmt die Richtung, Pascal?“ Er: „Öh, ja, flüg emole. Oder, ja, i weiss au nöd so gnau, i flüg halt susch immer mit ...“ Da realisierte ich die GPS-Abhängigkeit der Jungen (oder auch der Älteren?). Pascal schwitzte Blut.

Irgendwie kamen wir dann doch noch über Neuhausen ob Eck hinweg, aber mit einer nicht so komfortablen Höhe. Langsam liess dann auch die Thermik nach. Es war mühsam, die nur noch schwachen Schläuche auszunutzen. Glücklicherweise bildete sich eine Wolkenstrasse. Vor Stahringen endete sie aber abrupt. Wie sollten wir nun den Seerücken überqueren?

Hilfe, der Boden kam immer näher. Ich musste auf die Flugplatzfrequenz von Stahringen umschalten. Von Roger und Marcel nichts zu sehen. Natürlich, die Zwei waren unterwegs zu Roger Brunner, der seinerseits funkte, er hätte starken Aufwind entdeckt.

Ich steuerte schweren Herzens zum Abkreisraum, da wir nun wirklich tief flogen. Welche Überraschung, über einem Waldhügel stiegen wir einen halben Meter. Nach intensivem Zentrieren brachten wir es sogar auf einen Meter pro Sekunde. Nach einer halben Stunde hatten wir genug Höhe gewonnen, um nach Amlikon abzugleiten. Dies gemeinsam mit Marcel und Roger. Unglaublich, 200 Meter unter unserem lahmen 21gi flog der Duo-Discus locker davon. Soviel zum Thema Gleitzahl …

Hinter uns der Seerücken, stachen wir an und flogen mit 150 km/h nach Hause. Zwei, drei Kreise im Abkreisraum und Ansetzen zur Landung. Doch der Schoch Roger liess sich einfach nicht abschütteln. Er folgte uns wie festgeklebt. Ich landete bergseitig, die zweite ASK tat es zehn Meter neben uns. Beide Flugzeuge standen gleichzeitig still. So geht’s auch.

 

Nach dem Waschen und Hangarieren folgte die Rangverkündigung. Pascal und ich waren dreieinhalb Stunden in der Luft und hatten stolze 180 km zurückgelegt. Ein imposanter „30-Kilometer-Flug“ in meiner Kontrollkarte und ein toller sechster Rang! Roger mit Marcel knapp vor uns auf dem Fünften. Denn sie waren bekanntlich zwei Minuten später gestartet, mit den gleichen Wendepunkten ...

 

Nach der Arbeit das Vergnügen: die traditionelle Pizza à discrétion!

 

Ich habe an diesem Tag sehr viel gelernt und empfehle jedem Flugschüler, wenn möglich an einem Cumulus-Cup teilzunehmen. Ein unvergessliches Erlebnis!

 

In diesem Sinne herzlichen Dank an die Organisatoren des Cups - und vor allem an Pascal.

 

Silvan Hinterberger

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